Am Samstag fand die Solidaritätskundgebung auf dem Rathausvorplatz für Heinz Ostermann und Ferat Ali Kocak, deren Autos in der vergangenen Woche höchstwahrscheinlich aus politischen Motiven heraus in Brand gesteckt worden sind. Heinz Ostermann ist Besitzer der Buchhandlung Leporello in Rudow und engagiert bei den Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus und Ferat Ali Kocak ist engagierter Politiker der Linken. Viele Menschen kamen, um ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen und ein deutliches Zeichen zu setzen, dass diejenigen, die für eine freie und demokratische Gesellschaft eintreten, sich nicht durch solche Anschläge einschüchtern lassen. Auch meine klare Forderung an den Berliner Senat war, die Ermittlungsbehörden bei Polizei und LKA so auszustatten, dass endlich Ermittlungserfolge sichtbar werden und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

Die E-Mail am Morgen des Anschlags von Heinz Ostermann dazu:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Buchhandlung Leporello,

am 10.12.2016 wurde eine meiner Schaufensterscheiben durch massiven Steinbewurf zerstört, am 23.1.17 wurde mein Ford Focus fast vor meiner Haustüre in Britz abgefackelt. Heute Nacht gegen 3.15 Uhr ging wieder das Telefon. Am anderen Ende die Polizei: ich möge bitte runterkommen, mein Auto würde brennen. Der Peugeot Partner stand diesmal ein paar Meter weiter weg um’s Eck in einer Seitenstraße. Erschreckend ist insbesondere, dass ich offensichtlich weiterhin ausspioniert und verfolgt werde. Erschreckend ist auch, dass nach zahlreichen Brandanschlägen im südlichen Neukölln niemand bisher gefasst wurde. Erst vor kurzem habe ich bei einem Gespräch im Rathaus die Ansicht vertreten, dass – solange niemand gefasst wurde – derartige Anschläge jederzeit wieder passieren können und dass die hierfür Verantwortlichen nicht planmäßig sondern nach Gutdünken spontan loslegen. Nach dem Brandanschlag ist vor dem Brandanschlag könnte man also die alte Weisheit von Sepp Herberger modifizieren. Jetzt war also wieder LEPORELLO dran. Ich bin selbst verwundert, dass diese rechte Brut mich mit meiner Buchhandlung so auf dem Kieker hat. Offensichtlich bin ich der Stachel im Fleisch. Auf jeden Fall sehe ich keinen Grund, mich an irgendeiner Stelle anders zu verhalten. Wichtig ist es, Öffentlichkeit herzustellen. Das ist mit ein Grund, warum ich mit dieser Mail an Sie herantrete und Sie außerdem bitte, diese Geschichte möglichst weiterzutragen. Bei der nächsten Mail geht es dann um etwas Schöneres, nämlich „Rudow liest“ vom 2. bis 4. März 2018.
Beste Grüße sendet mit der Bitte um Verständnis
Heinz J. Ostermann

Solidaritätskundgebung nach Brandanschläge auf engagierte Neuköllner